Der Brandschutz in Blumenthal eine


wechselvolle Geschichte über 125 Jahre

 

Wir sind seit Jahren bemüht die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Blumenthal i. H. zu erforschen. Leider fehlen uns Unterlagen insbesondere ab ca. 1936 bis 1950. Sollte sich unter den Lesern jemand befinden, der hierüber Auskunft erteilen oder gar noch Unterlagen hat, die die Geschichte vervollständigen könnten, bitten wir darum, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Es sind zwei Geschichten, die der eigenständigen preußischen Gemeinde Blumenthal i.H. und nach der Eingemeindung zu Bremen bis zum Jahre 1950 bestehenden Freiwilligen Feuerwehr, sowie die Geschichte der am 1. Jan. 1975 wieder gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Bremen-Blumenthal.

Bis zum Jahre 1878 kann von einem eigentlichen Feuerlöschwesen in dem Sinne, wie es heute verstanden wird, nicht die Rede sein. Es bestand zwar unter der Führung des Brandmeisters Claus Hashagen eine Pflichtfeuerwehr, die aber den Überlieferungen nach, bei der Brandbekämpfung nicht gerade sehr wirkungsvoll gewesen ist. Die 24 Feuerwehrleute, hauptsächlich Handwerker, waren an grauen Armbinden, die sie bei Einsätzen trugen zu erkennen. Im Falle eines Brandes eilten auch alle Bürger des Ortes zur Schadenstelle um dem vom Feuer Geschädigten Hilfe zu leisten. Jeder Hauseigentümer hatte nach geltendem Gesetz die Pflicht folgendes Gerät zur Brandbekämpfung vorzuhalten: eine Leiter, einen Feuerhaken, eine Windlaterne und einen Wassereimer. Ansonsten stand an Gerät zur Brandbekämpfung nur noch eine leistungsschwache Handdruckspritze, in die das Wasser noch mit Eimern eingefüllt werden mußte, zur Verfügung. Im Falle eines Brandes wurden lange Eimerketten gebildet um das Wasser bis zur Brandstelle zu befördern. Der Strahl der Spritze reichte gerade 10 Meter weit und war recht kümmerlich. Wenn man des weiteren bedenkt, dass damals viele Häuser noch mit Reiht gedeckt waren, so ist es nicht verwunderlich, wenn in den meisten Fällen das Feuer der Sieger blieb. Von einem Erfolg konnte man schon sprechen, wenn wenigstens die Nachbarhäuser vor dem Feuer gerettet werden konnten.

Um eine wirksamere Brandbekämpfung zu ermöglichen fanden sich 1878 nach einem Aufruf ca. 50 Männer zur Gründung des Blumenthaler Spritzenverbandes (Freiwillige Feuerwehr) zusammen. Die Gründung erfolgt am 5. November 1879. Zum Hauptmann der Wehr wurde der Lohgerbereibesitzer Hermann Nordenholz gewählt. Der Wehr standen bereits kurz nach Gründung ein Schlauchwagen und eine Handdruckspritze zur Verfügung. Die Handdruckspritze war eine Entwicklung der Maschinenfabrik Hinrich Dewers in Rönnebeck.

 

Lohgerbereibesitzer
Hermann Nordenholz

Im Jahre 1888 wurde für eine Einsatzübung das Haus Blomendal als Übungsobjekt ausersehen. In raschen Tempo und unter ständigem ertönen des Feuerhorns raste der Löschzug zum Burghof. Kurz nach dem Eintreffen konnte bereits Wasser aus den Strahlrohren gegeben werden. Der mit der Übung verbundene Lärm drang auch an die Ohren des damals gerade neu eingesetzten Landrates Berthold, der zu diesem Zeitpunkt eine Sitzung im Bahnhofshotel leitete. Dieser eilte zur vermeintlichen Brandstelle, mußte jedoch feststellen, dass es sich um eine Übung handelte. Darauhin gab es eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Wehrleuten und dem Landrat. Wütend darüber, dass der Landrat ihre Arbeit kritisierte ließen die Feuerwehrleute alles Gerät liegen und bekämpften ihren Frust bei einem Umtrunk im Hotel Union. Anschießend wurden noch die Geräte beim Haus Blomendal eingesammelt und danach die Wehr Blumenthal aufgelöst.

Da die Freiwillige Feuerwehr nicht mehr existierte mußte wieder eine Pflichtfeuerwehr aufgestellt werden. Die Erfolge bei der Brandbekämpfung waren recht mäßig, da das Personal schlecht bzw. gar nicht ausgebildet war. Es soll sogar vorgekommen sein, dass im Falle eines Brandes zwar zuerst die Leute an der Einsatzstelle erschienen, dann aber nach und nach verschwanden. Der Brandschutz wurde zum Teil auch von der 1879 gegründeten Werkfeuerwehr der Bremer Wollkämmerei wahrgenommen.

 

Im Jahre 1890 wurde erneut eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Unter der Führung des Hauptmannes Adolf Keller wurde die 50 Mann starke " Blumenthaler Freiwillige Feuerwehr" aufgestellt. Die Ortschaften Blumenthal, Lüssum, Rönnebeck und Neurönnebeck bildeten einen Wehrverband, dass Personal stammte aus diesen Ortschaften. An Löschgeräten waren vorhanden: 1 Handdruckspritze und ein Schlauchwagen. Die Spritze konnte mit 4 Pferden bespannt werden. Im Jahre 1891 wurde zusätzlich eine Ausziehleiter von 11 Meter Länge und 5 Steigleitern beschafft.

Handdruckspritze Schlauchwagen

Ein Gesetz aus dem Jahre 1902 verpflichtete jede über 1000 Einwohner zählende Gemeinde ihre eigene Feuerwehr einzurichten. Dieses Gesetz kam für die damals selbständigen Ortschaften Blumenthal, Lüssum und Rönnebeck zum Tragen. Die bestehenden Geräte übernahm Rönnebeck. Die Gemeinden Blumenthal und Lüssum rüsteten ihre Wehren neu aus. Im Jahre 1904 wurde auch in Bockhorn eine Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Die Freiwillige Feuerwehr i. H. Blumenthal im Jahre 1901

Als die Ortschaften Rönnebeck, Lüssum und Bockhorn zu Blumenthal eingemeindet wurden, erwies es sich als notwendig die 4 Ortswehren wieder zu einer Wehr zu vereinen. Am 23.9.1911 wurde in einer Sitzung beschlossen, dass die 4 Wehren zu der Freiwilligen Ortsfeuerwehr Blumenthal zusammengefaßt werden. Bis zum Jahre 1934 waren die Löschzüge in drei Abteilungen eingeteilt und bildeten jeweils einen Steigerzug, einen Spritzenzug und einen Schlauchzug. Die Ausbildung der Feuerwehrleute erfolgte für einen der drei Züge. Eine Übergreifende Ausbildung gab es nicht. Erst das "Preußische Feuerlösch
Gesetz von 1934" verlangte die Einführung des "Einheitsfeuerwehrmannes". Von jetzt an mußte jeder Mann mit der Handhabung aller Geräte vertraut sein, damit die Bedienung der einzelnen Züge untereinander ausgetauscht werden konnte.

Ausziehleiter Motorspritze

1936 erhielt die Feuerwehr ihr neues Gerätehaus am Schillerplatz. Es wurde als zweigeschossiger Klinkerbau ausgeführt. Am rechten Flügel des Gebäudes ist ein 25 Meter hoher Turm errichtet, der der Aufhängung und Trocknen der Schläuche diente. Die gesamten Baukosten betrugen Mark 80.000,00. Für die Lage des Gebäudes waren in erster Linie das bauliche Zentrum der Gemeinde, die günstigen Ab- und Zufahrtsmöglichkeiten und der dort befindliche Feuerwehrübungsturm nebst Regenwassebehälter von 250 Kubikmetern Fassungsvermögen bestimmend. Die äußere Gestaltung ist in klaren Formen im Zusammenhang mit dem Schul- und Turnhallenbau an der Schillerschule geschehen. Damit durfte die Feuerwehr ein Gerätehaus ihr eigen nennen, dass durchaus dem Stand einer damaligen modernen Berufsfeuerwehr entsprach.

 

Mit der Gebietsreform von 1939, wird die Gemeinde Blumenthal bremisch und damit ist die Selbständigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Blumenthal nicht mehr gegeben. Ab diesem Zeitpunkt untersteht sie der Feuerwehr Bremen. Ab dem Jahre 1945 wird die Zentralefeuerwache als Feuerwache 4 (später 8) durch die Berufsfeuerwehr genutzt. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Blumenthal treffen sich zu ihren Versammlungen in den umliegenden Lokalen. Lediglich ein Fahrzeug, sowie ein Anhänger sind in der Feuerwache Blumenthal untergestellt, ein weiteres Fahrzeug ist in Vegesack untergebracht. 5 Jahre später wird die Freiwillige Feuerwehr Blumenthal aufgelöst.

 

Am 20. Dezember 1962 beziehen die Feuerwachen 8 aus Blumenthal und Feuerwache 7 aus Grohn der Berufsfeuerwehr, dass mit einem Aufwand von Mio. DM 3,0 ein an der Aumunder Feldstr. neu errichtetes Gebäude, dass aufgrund des ständigen Wachstums Bremen-Nords an zentraler Stelle erforderlich wurde. In die Feuerwache Blumenthal zog der Zivile Bevölkerungsschutz ein. Dieser bestand aus Einheiten des Bergungsdienstes und des Sanitätsdienstes. Nachdem im Jahre 1972 auch der Luftschutzhilfsdienst (LSHD) in den Katastrophenschutz integriert wird, wird angeregt auch wieder einen Löschzug (Brandschutz Regieeinheit) in Blumenthal zu stationieren. Am 14. Juni 1973 begann die Ausbildung der freiwilligen Helfer im Gerätehaus am Schillerplatz. Der neuen Einheit standen 5 aus Bundesgeldern beschaffte Fahrzeuge, die komplett ausgerüstet waren, zur Verfügung. Dies waren ein LF 16 TS, ein VLF sowie drei TLF 8/8.

 

Im Zuge der Reform des Katastrophenschutzgesetzes werden die Regieeinheiten 1975 in die bestehenden Hilfsorganisationen übernommen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1975 wird aus der Brandschuztregieeinheit die Freiwillige Feuerwehr Bremen-Blumenthal. Mit der Leitung der Wehr wird Norbert Lange-Kroning betraut, der das Amt des Wehrführers bis 1980 war nimmt. Die Wehr ist mit 25 aktiven Mitgliedern zunächst ohne eigenen Ausrückebezirk tätig. und wird bei Großschadenslagen im gesamten Stadtgebiet sowie zu Katastropheneinsätzen herangezogen. Die Alarmierung der Wehr erfolgt telefonisch, damit sind Ausrückezeiten von bis zu 20 Minuten keine Seltenheit. Bereits im August des Jahres 1975 erhält die Wehr ihre "Feuertaufe". Am 13. August 1975 setzen sie sich mit vielen anderen Freiwilligen Helfern zu den Waldbränden in der Lüneburger Heide in Marsch.

 

Nachdem Wehrführer Norbert Lange-Kroning aus beruflichen Gründen 1980 aus der Wehr ausscheiden mußte, übernahm Fred Denker das Kommando. Zum 1. September.1984 kam auf die Wehr eine neue Aufgabe hinzu. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Bremen-Seesenthom (heute Bremen-Neustadt) übernahm die Wehr einen der drei für das Land Bremen zur Verfügung stehenden "ABC-Züge". Damit einher ging eine Aufstockung der Personalstärke von 27 Mann auf insgesamt 42 Mann. Seit dieser Zeit läuft die Ausbildung der Mitglieder zweigleisig, d. h. neben der Ausbildung im feuerwehrtechnischen Bereich ist auch die Ausbildung im Bereich Strahlen- und Chemieschutz mit wahrzunehmen. Mit der Übernahme des ABC-Dienstes war aber auch die Forderung der Wehr, nach einem eigenen Ausrückebezirk verbunden. Denn zu Einsätzen im Ortsteil Blumenthal wurden zunächst immer noch die Freiwilligen Wehren aus Vegesack und Farge herangezogen. Diese mußten einen Teil ihrer Ausrückebezirke im Ortsteil Blumenthal abgeben. Seit 1986 wird bei Bränden in Blumenthal auch wieder die ortsansässige Wehr alarmiert. Die Alarmierung erfolgt nicht mehr per Telefon, sondern über Funkmeldeempfänger (Pieper), mit dem mittlerweile jeder Kamerad ausgestattet ist. Immerhin kann man heute behaupten, dass die Wehr zu den schnellsten und Einsatz stärksten in Bremen zählt.

 

Am 1. Juni 1991 gründet die Freiwillige Feuerwehr Bremen-Blumenthal eine Jugendfeuerwehr. Durch die Reduzierung der Wehrdienstzeit finden immer weniger Helfer nach § 8 Abs. 2 des Katastrophenschutzgesetzes zur Feuerwehr. Hiernach können sich Wehrdienstpflichtige von der Bundeswehr befreien lassen, wenn sie sich über einen Zeitraum von derzeit 6 Jahren zur Mitarbeit in einer Katastrophenschutzeinheit verpflichten. Um dem Nachwuchsmangel Rechnung zu tragen, wurde bereits auf einer Wehrversammlung 1990 beschlossen eine Jugendabteilung ins Leben zu rufen. Bereits im November 1990 fanden sich nach einem Aufruf mehr als 15 Mädchen und Jungen, die in die neu zu gründende Jugendfeuerwehr eintreten wollten, so dass die Kameraden Bert-Heiner Howald, Uwe Jenke und Stefan Wolfestieg sich mit der Jugendarbeit in der Feuerwehr beschäftigten und die Planung für die Gründung in Angriff nahmen. Mittlerweile gehört die Jugendfeuerwehr Bremen-Blumenthal zu einer der beliebtesten Jugendgruppen, da sie sich im gesamten Ortsteil bei allen Veranstaltungen, die für Jugendliche ausgerichtet sind mitmacht. Aus den Reihen der Jugendfeuerwehr finden sich aber auch immer mehr Kameradinnen und Kameraden.

 

Die Geschichte in Zahlen

 

  • 1879: Erstmalige Gründung am 5. November
  • 1888: Auflösung
  • 1890: Erneute Gründung
  • 1936: erhielt die Feuerwehr ihr neues Gerätehaus am Schillerplatz
  • 1939: Die Selbstständigkeit erlischt.
  • 1945: Nutzung der Liegenschaften durch die Berufsfeuerwehr
  • 1950: Auflösung der Freiwillige Feuerwehr Blumenthal
  • 1972: Idee einer Brandschuztregieeinheit
  • 1973: Beginn der Ausbildung von freiwilligen Helfern.
  • 1975: wird aus der Brandschuztregieeinheit die Freiwillige Feuerwehr Bremen-Blumenthal.
  • 1984: Als neue Aufgabe kam der ABC-Dienst hinzu.
  • 1984: Festlegung eines eigenen Ausrückebezirks.
  • 1991: Gründung der Jugendfeuerwehr

 

Danksagungen

Ein großer Teil der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Blumenthal i. H. verdanken wir dem Blumenthaler Heimatforscher Alfred Tietjen, der im Jahre 1936 zur Einweihung des Gerätehauses die Entwicklungsgeschichte des Feuerlöschwesen in Blumenthal aufzeichnete. Einige Unterlagen erhielten wir vom Staatsarchiv in Stade, dem Doku-Zentrum Blumenthal und dem Blumenthaler Heimatverein.